2Pac All Eyez On Me - Fugees The Score - 25 Years - say say soulful hip-hop radio

2Pac „All Eyez On Me“ & Fugees „The Score“ • 25 Jahre

Diese Woche steht bei say say im Zeichen der Jubiläen zweier legendärer Hip-Hop-Alben: All Eyez On Me von 2Pac und The Score von den Fugees feiern 25. Geburtstag, beide erschienen am 13. Februar 1996.

Das eine ist eines der maßgeblichen West-Coast-Hip-Hop-Alben, ein wichtiges Album der Death Row Records- und G-Funk-Ära und für viele das beste Album dieses Ausnahmekünstlers (der übrigens in New York City geboren und an der Ostküste aufgewachsen ist). Das andere ist ein Album mit bunter Genremischung und dem Fokus auf social consciousness aus dem Osten der USA. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, sind aber trotzdem jeweils Hip-Hop-Meilensteine auf ihre eigene Art.

Ein Kurzüberblick über beide Alben. Was hat All Eyez On Me und The Score zu den Klassikern gemacht, als die sie heute gelten?


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2Pac – All Eyez On Me

2Pac - All Eyez On Me Cover
Cover von All Eyez On Me // © Photo: Death Row Records / Interscope

Alle Augen waren auf ihn gerichtet, ob die der Polizei oder die der Fans: Schon die Entstehungsgeschichte zu Tupacs viertem Studioalbum war besonders. Der West-Coast-Rapper hatte sich in den vorigen Jahren zu einem absoluten Superstar entwickelt, wurde allerdings im Februar ’95 zu einer Gefängnisstrafe wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Noch im Oktober des selben Jahres holte der CEO von Death Row Records, Suge Knight, den Rapper für eine Kaution von 1,4 Mio. $ aus dem Dannemora-Gefängnis – im Gegenzug versprach Pac ihm vertraglich, drei Alben für das Label zu schreiben.

Lange wollte er bei Death Row allerdings nicht bleiben, das geht auch aus Erzählungen von Nate Dogg hervor. Zwei Alben aus dem Vertrag arbeitete er bereits mit dem ersten Release ab: All Eyez On Me gilt als das erste Doppelalbum der Hip-Hop-Geschichte, das ausschließlich originales Material enthielt. Der erste Teil, Book 1, enthält 14 Tracks und alle vier Singles (2 Of Amerikaz Most Wanted, How Do U Want It, California Love, I Ain’t Mad At Cha). Book 2 hat dagegen Standout-Songs wie das von Dr. Dre produzierte Can’t C Me oder den Titeltrack All Eyez On Me. Aber, und das muss man immer wieder sagen: Bei allem lyrischen Talent und Charisma, das Pac ausgemacht hat, waren seine Texte auf diesem Album teilweise extrem sexistisch. Der auf den Alben zuvor noch melancholische und soziale Missstände anprangernde Tupac schien unter der Death Row-Flagge keinen Halt mehr vor irgendwas zu machen.

Aber es wurde eben keine Rücksicht auf nichts und niemanden genommen. Die Arbeitsmoral von Pac zu dieser Zeit wird von vielen Begleitern als unvergleichlich beschrieben. Über beide Teile von All Eyez Of Me kommen 27 Songs zusammen, die insgesamt stolze 132 Minuten Laufzeit besitzen. Umso erstaunlicher ist bei dieser Länge, dass das Album der Legende nach in nur zwei Wochen aufgenommen wurde. Alles musste schnell gehen nach seiner Entlassung. Der Legende nach hat Pac noch in der ersten Nacht nach seiner Freilassung den Intro-Track Ambitionz Az A Ridah geschrieben und fertig aufgenommen. Im Studio sollen laut einem Album-Mixer Mitarbeiter rausgeflogen sein, die beim vorgegebenen Tempo nicht mitziehen konnten. Seine eigenen, sowie die zahlreichen Featureparts wurden nach Möglichkeit One Take eingerappt. Bloß keine Zeit verlieren, so schien das Motto zu sein. Das Momentum und die landesweite Aufmerksamkeit, die Tupac zu dieser Zeit hatte, wurde vollkommen ausgenutzt.

Trotzdem oder gerade deswegen ist das Album in seiner Intensität und Durchschlagskraft kaum zu toppen. Herausgekommen ist ein West-Coast-Klassiker, der sich in den USA bereits in der ersten Woche über 500.000 Mal verkaufen ließ. Vor gut sieben Jahren ist All Eyez On Me in den USA mit dem Diamantstatus ausgezeichnet worden. Über 10 Millionen verkaufte Einheiten stehen zu Buche und machen es so zu einem der meistverkauftesten Hip-Hop-Alben aller Zeiten.

Es war das letzte Death Row Album, das zu Pacs Lebzeiten veröffentlicht wurde. Das dritte Album zur Erfüllung des Vertrages, The Don Killuminati – The 7 Day Theory, erschien zwei Monaten nach seinem gewaltsamen Tod im November ’96. Wie schon im Titel zu erkennen ist: Auch hier legte Tupac eine wahnsinnige Arbeitsmoral an den Tag, innerhalb von sieben Tagen stand das komplette Album. RIP Pac!

Der Titeltrack zu All Eyez On Me

Fugees – The Score

Fugees - The Score Cover
Cover von The Score // © Photo: Ruffhouse Records / Columbia Records

Das andere Jubiläumsalbum ist dagegen deutlich leiser und weniger Hau-Drauf, hat aber sogar das sehr erfolgreiche All Eyez On Me in den US-Billboard 200-Jahresendcharts von 1996 hinter sich gelassen. Fugees The Score ist das zweite und leider auch letzte Album der Gruppe. Nach dem mehr oder weniger erfolglosen Debüt Blunted On Reality von Lauryn Hill, Wyclef Jean und Pras Michel gab es trotzdem nochmal einen Vertrauens- und Albumsvorschuss vom Ruffhouse Records-Labelchef. It’s time to settle the score dachten sich die Fugees und werkelten an ihrem Nachfolger, der die wahren Qualitäten der Gruppe zeigen sollte.

Der Keller von Wyclefs Onkel wurde mit dem Vorschuss kurzerhand in ein Studio umgewandelt. Im sogenannten Booga Basement entstanden für das neue Album im Zeitraum von Juni-November ’95 dreizehn Tracks mit genau einer Stunde Spielzeit. Und dieses Mal ging alles auf. Inmitten der West-Coast-East-Coast-Fehde, die in der Rap-Szene auf ihrem Höhepunkt wütete, brachten die Fugees eine Feel-Good-Platte mit viel Inhalt und einer damals unpopulären musikalischen Herangehensweise für den Hip-Hop heraus.

Wobei das Genre Hip-Hop hier nur als Sammelbegriff dienen kann. Bei The Score fließen Genres aller Art ein: Reggae, R&B, zeitgenössischer Pop. Für die musikalischen Grundgerüste wurde sich wirklich an allem bedient. Ready Or Not z.B. basiert auf einem Song der irischen New-Wave-Künstlerin Enya und hat in der Hook eine Anleihe der Soul-Band Delfonics. Das Wyclef Jean Cover zu No Woman, No Cry hat seine Ursprünge im Reggea. Die Fugees zeigten, wie gut Hip-Hop mit anderen Genres vereinbar sein konnte. Das Fugees-Cover von Killing Me Softly, durch die Interpretation von Roberta Flack 1973 bekannt geworden, stellte derweil Lauryn Hills herausragende Sing-Qualitäten unter Beweis und wurde zu einem der größten Radiohits. Nicht wenige der nachfolgenden Generation halten vermutlich heutzutage ihre Version für das Original, so gut ist die Variante.

Auf die Fugees können sich einfach alle einigen. Auch in Deutschland hatte quasi jeder von eingefleischtem Hip-Hop-Head bis Charthörer die Platte im Regal stehen. Egal, ob Fans von melodiösen Songs, Freunde von inhaltsvollem Rap oder Punchline-Liebhaber: Auf The Score ist nicht nur an Genres alles dabei. Kein Wunder, dass es für viele als eines der besten Alben aus den goldenen Neunzigern gilt. Auch auf der Liste der 1001 Albums you need to hear before you die ist das Album vertreten, genauso wie in den Top 500 Alben aller Zeiten des Rolling Stone Magazines. Grammys gab es auch: Einmal für Best Rap Album, einmal für Best R&B Performance by a Duo or Group with Vocal (mit Killing Me Softly). Mittlerweile hat sich das Album über 20 Millionen mal weltweit verkauft und ist in vielen Ländern mit dem Platinstatus ausgezeichnet worden.

Wie gut, dass Chris Schwartz, der Labelchef, damals noch einen Versuch wagte und den Fugees alle Freiheiten ließ für ihre Musik. Wie schade, dass sich die Wege der Drei bereits kurz nach dem Release trennten und es kein Follow-Up-Release gab. Immerhin hat es uns noch die langlebige Karriere von Wyclef Jean und das legendäre Solo-Album The Miseducation Of Lauryn Hill beschert.

Das Video zu Track Nr. 3 Ready Or Not

All Eyez On Me & The Score bei say say

Zwei epochale Hip-Hop-Alben an ein und dem selben Tag veröffentlicht, das passiert nicht häufig. In beiden Fällen markierten sie einen Schlusspunkt: In Tupacs Fall war es das letzte zu Lebzeiten veröffentlichte Album, im Fall der Fugees das letzte gemeinsame Gruppen-Album vor der Auflösung.

Wir feiern die beiden Alben die ganze Woche über in der MORNINGSHOW auf say say • soulful hip-hop radio. Das heißt: Viele der großartigen Tracks aus The Score und All Eyez On Me jetzt noch häufiger im Programm. Tune in!


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Autor: Matthi (Mostdope) | © Beitragsbild: Death Row Records / Interscope / Ruffhouse Records / Columbia Records; eigene Grafik

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