Drake - Certified Lover Boy - Cover

Drake „Certified Lover Boy“ • Review

Hip-Hop Großereignis Nr. 2 innerhalb einer Woche: Das lang erwartete und mehrfach verschobene Album Certified Lover Boy vom kanadischen Hip-Hop Künstler Drake ist da! Nur fünf Tage nach dem Release von Kanye Wests Donda (say say-Artikel zum Album) hat der nächste riesige Rapper ein neues Album veröffentlicht. Das sechste Studioalbum des kommerziell erfolgreichsten Künstlers weltweit (!) ist mehr als drei Jahre nach seinem letzten Albumrelease Scorpion herausgekommen. Certified Lover Boy ist 1:26h lang, enthält 21 Songs und Features von Artists wie Jay-Z, Travis Scott und Kid Cudi.

Einige Zeilen zu Drake, den Hintergründen zum neuen Album Certified Lover Boy und meine Eindrücke nach dem ersten Hören findest du hier im say say-Beitrag.

Drake Pressefoto - Credit: Universal
Drake 2020 // Photocredit: Universal

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Erste Eindrücke von Certified Lover Boy

Spielt Drake es sicher oder nicht? Das war die Frage, die ich mir vor Release gestellt habe. Schon zu Scorpion-Zeiten war ein häufig gehörter Kritikpunkt, dass er die Songs seiner Alben fast immer nach der gleichen Formel baut und seine LPs mittlerweile deutlich zu lang und mit viel Filler-Material streckt.

Erster Überraschungspunkt: Drake hat wirklich dieses Artwork genommen! Bis zum Ende dachte ich, die Grafik mit den 12 schwangeren Emojis wär ein groß angelegter Promomove, der für ordentlich Buzz vor dem Release sorgen sollte – was ja auch geschah. Aber mit Aufmachen meines Streamingdienstes stelle ich fest: Es ist wirklich das offizielle Cover geworden. Naja. Ab zur Musik: Der Introtrack Champagne Poetry ist vielleicht einen Ticken zu lang, gefällt mir aber mit dem Sample und der ruhigen Grundstimmung sehr gut. Intros kann der Mann einfach! Auch Track Nr. 2 Papi’s Home geht mir ziemlich gut rein.

Lyrics & Featuretracks

Dann aber kommt Track 3 und der demonstriert eins der größten Probleme, die ich mit Drake habe: Die Lyrics. Drake hat an manchen Stellen echt weirde Einfälle und unsagbare Einstellungen, die sich in seinen Texten wiederfinden. Die Hook von Girls Want Girls (ft. Lil Baby) offenbart das wirklich sehr gut. Yeah, say that you a lesbian, girl, me too?? Überhaupt ist die Einstellung zu Frauen (nicht nur) auf diesem Album teilweise schrecklich – was leider nicht weiter verwunderlich ist, weil schon die offizielle Beschreibung des Albums toxic masculinity als eins der Leitmotive betitelt.

Weiter geht es im Album: Über Featuretracks mit Lil Durk & Giveon (meh), Jay-Z (sehr gut), Travis Scott (in Ordnung) und Future & Young Thug (schrecklich, was soll diese Hook?) geht es zum Mittelteil von Certified Lover Boy, der neben einigen vergessbaren Tracks nochmal ein Paar Highlights enthält. Zunächst kommen die Tracks, die wohl die Banger des Albums sein sollen: Track 10 Pipe Down könnte ich mir genauso wie No Friends In The Industry als einen der größeren Hits dieses Albums vorstellen. Der obligatorische AM/PM in xx Track (hier 7am On Bridle Path) ist genau wie seine Vorgänger sehr stimmungsvoll geraten und reiht sich ohne Probleme in die Liste seiner guten Songs ein.

Vibesongs & Finale des Albums

Dies ist der Auftakt für eine Reihe an Vibesongs, die ganz gut im Hintergrund laufen können. Track 15, 16 und 17 haben die von Drake perfektionierte melancholische Grundstimmung, die wie für nächtliche Autofahrten gemacht zu sein scheint. Aber auch hier habe ich wieder einige Lyrics, an den ich mich störe. Über nochmal drei großkalibrige Features in Person von Lil Wayne & Rick Ross (gut) und Kid Cudi (sehr schön) neigt es sich nach langen 1 1/2h dem Ende zu. Track 20 ist so semi, aber der Outro-Track setzt genau wie der Intro-Track gut den Rahmen und entlässt mich mit einem Album, das ich mir vermutlich nicht mehr viel im Ganzen anhören werde.

Fazit

Denn bei all den gut ins Ohr gehenden Tracks, die ich jetzt hervorgehoben habe: Irgendwie kommt es mir so vor, als hätte ich viele dieser Songs schon vorher gehört. Drake macht mit Certified Lover Boy genau da weiter, wo er mit Scorpion aufgehört hat und veröffentlicht ein sehr langes Album, dass an einigen Stellen wahlweise auf Tik Tok, Quotables oder generischen Clubsound optimiert zu sein scheint. Die Highlights kommen häufig genug, aber leider gibt es auch genügend Skip-Songs, von denen nach dem ersten Hören nicht wirklich viel hängen geblieben ist. Der Kritikpunkt vom letzten Album kann sich also 1 zu 1 auch auf Certified Lover Boy übertragen lassen. Der riesigen Drake-Fanbase wirds egal sein, sie haben ihre gewohnte Musik auf ein Neues serviert bekommen.


Kurzvorstellung Drake

Drake ist jüngst genreübergreifend zum Billboard Artist of the Decade gekürt worden, der erste Künstler ALLER Genres mit über 50 Mrd. Spotify-Streams und dementsprechend einer, wenn nicht der größte Künstler unserer Zeit – zumindest, wenn man alleine nach den Zahlen geht. Geboren in Toronto ist der 34-Jährige seit etwas mehr als einem Jahrzehnt ein fester Bestandteil der Hip-Hop Szene und hat seitdem fünf Alben und ebenso viele Mixtapes veröffentlicht. Über Anfänge als independent Mixtape-Künstler, einem regelrechten Majorlabel-Wettstreit um seine Unterschrift und dem letztendlichen Großwerden unter dem Young Money-Banner (Lil Wayne, Nicki Minaj) wuchs über die Jahre ein Megastar heran. Mit Alben wie Take Care (2011), Nothing Was The Same (2013) oder Views (2016) bildete sich eine riesige Fangemeinschaft um ihn herum, weit über die Grenzen des Raps hinaus. Seit 2012 hat Drake gemeinsam mit seinem guten Freund und Produzenten 40 ein eigenes Label, das auf den Namen OVO Sounds getauft wurde und wiederum eigene Künstler:innen wie PartyNextDoor oder dvsn unter Vertrag hat.

Musikalisch gesehen ist Drake quasi der Prototyp von dem, was in den 2010ern im Rap-Mainstream ganz vorne war. Rap mit vielen melodiösen Anteilen, viel R&B- und Pop-Elemente und Lyrics zwischen Melancholie, Herzschmerz und Come Up-Stories. Sein Gespür für Hits (z.B. God’s Plan, Hotline Bling, One Dance, Started From The Bottom) ist unbestreitbar, allerdings wird ihm häufiger vorgeworfen, dass er gerade auf Albumlänge teilweise etwas inkosistent sei. Ein Grund dafür könnte sein, dass Drake bei all seiner Popularität die Fans unterschiedlichsten Lager bedienen muss und möchte.

Drake Pressefoto 2 - Credit: Universal
Drake 2020 // Photocredit: Universal

Hintergründe zu Certified Lover Boy

Der Releasetermin für Certified Lover Boy war begleitet von Unklarheiten und Verschiebungen. Als die ersten Gerüchte um neue Musik auf Albumlänge aufkamen, gingen Fans noch von einem Release 2020 aus. Im Mai 2020 veröffentlichte er das Mixtape Dark Lane Demo Tapes als Vorgeschmack aufs neue Album. Ein weiterer Teaser für das neue Album war die Stand-Alone-Single Laugh Now Cry Later (mit dem Chicago-Rapper Lil Durk) drei Monate später. Zu seinem 34. Geburtstag, am 24. Oktober 2020, veröffentlichte der Rapper einen Trailer und schränkte den Releasetermin immerhin auf Januar 2021 ein.

Aber auch der konnte nicht mehr eingehalten werden. Am 21. Januar verkündete Drake über eine Instagram-Story, dass das Album nicht mehr wie vorher angekündigt im Januar erscheinen würde. Als Grund gab er eine Operation sowie die zugehörige Reha an, die ihm die Energie für die Albumfertigstellung geraubt habe. Anfang März 2021 releaste er (vielleicht als kleine Wiedergutmachung?) die Vorab-EP Scary Hours 2, die drei Songs enthielt. Im Verlauf des Sommers 2021 häuften sich immer mehr Meldungen über fertige Mixe, Artworks und allgemein ein abgeschlossenes Album, bis schließlich Ende August der offizielle Releasetermin sowie das Cover (das für viel Gesprächsstoff sorgte) feststand.

Instagram-Story von Drake zu CLB-Verschiebung
Screenshot aus der Instagram-Story von Drake (@champagnepapi) vom 21. Januar 2021

Nun ist sein sechster Langspieler nach mehrfacher Verschiebung offiziell erschienen. Als einem der bekanntesten modernen Hip-Hop-Künstler schlagen Drake naturgemäß polarisierende Meinungen zu. Die einen sehen in ihm den GOAT (Greatest Of All Time), die anderen halten ihn und seine Musik für maßlos überschätzt. Fest steht: Ein neues Drake-Album ist immer ein Großereignis, jeder wird zumindest eine Meinung dazu haben.

Wie sich das Album im Beliebtheits-Vergleich zu den Vorgängern schlägt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Drake jedenfalls ging in einer Instagram Live-Session aus November 2020 davon aus, dass sie schlecht über Certified Lover Boy sprechen werden, genauso wie sie schlecht über Views sprachen. Gleichzeitig sprach er von der Corona-Zwangspause und der Kreuzbandverletzung, die ihm eine Menge an ungeahntem Fokus für die Zusammenstellung des Albums gegeben habe.


Certified Lover Boy auf say say

Bei say say • soulful hip-hop radio hörst du wie gewohnt schon frisch nach Release die neusten Tracks. Ältere Musik von Drake ist natürlich ebenfalls im Programm zu finden. Unsere Favoriten nach den ersten Durchläufen und dementsprechend häufiger im Programm:

  • Track Nr. 5 – Love All (ft. Jay-Z)
  • Track Nr. 10 – Pipe Down
  • Track Nr. 14 – 7am On Bridle Path

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Drake – „Certified Lover Boy“ • Shortfacts

Künstlerin: Drake
Album: Certified Lover Boy
VÖ: 3. September 2021
Anzahl der Tracks: 21
Laufzeit: 86 Min.
Label: OVO / Republic Records


Drake – „Certified Lover Boy“ • Album bei Spotify streamen

Spotify-Link für das neue Drake Album Certified Lover Boy


Autor: Matthi (Mostdope) | Fotocredit: OVO / Republic Records

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