Gang Starr One Of The Best Yet OOTBY Cover

Warum es „One Of The Best Yet“ von Gang Starr fast nicht gegeben hätte

Das Hip-Hop-Album, das es fast nicht gegeben hätte: Vor einem Jahr, am 1. November 2019, hat DJ Premier mit „One Of The Best Yet“ das erste neue Gang-Starr-Album nach über 16 Jahren veröffentlicht. Neun Jahre nach Gurus Tod gab es wirklich neues Material von Gang Starr, wie gewohnt mit „Premier in the rear with the beats and cuts, and Guru with the mic ready to tear shit up“ (aus „The Rep Growz Bigga“).

Ohne Zweifel sind Gang Starr eines der ikonischsten Hip-Hop-Duos aller Zeiten (neben u.a. Pete Rock & C. L. Smooth, Outkast, Eric B. & Rakim, Black Star, Mobb Deep, EPMD, UGK, DJ Jazzy Jeff & The Fresh Prince…). Der Gang-Starr-Sound ist für viele noch heute die Quintessenz des East Coast Hip-Hops; mehr Boom-Bap als Gang Starr geht kaum. 

Um so enttäuschter nahmen Hip-Hop-Fans zur Kenntnis, dass sich Rapper Guru und DJ/Produzent DJ Premier nach dem sechsten Gang Starr-Album „The Ownerz“ (2003) offenbar trennten. Der krebsbedingte Tod von Rapper Guru (R. I. P.!) am 19. April 2010 schien das Ende von Gang Starr endgültig zu besiegeln.

Dass wir mit „One Of The Best Yet“ doch noch ein amtliches Gang Starr-Album bekommen haben, ist eine komplizierte und zugleich spannende Geschichte. In einem Artikel der New York Times werden die Komplikationen im Detail beleuchtet. Wir fassen das Ganze hier mal für dich zusammen: 

Entstehung von „One of the Best Yet“ von Gang Starr

Als Guru 2010 im Sterben lag und schon nicht mehr ansprechbar war, besuchte ihn DJ Premier ein letztes Mal. Er verprach ihm am Sterbebett, auch nach seinem Tod alles für ihn und die Legacy von Gang Starr zu tun.

Die beiden hatten zu diesem Zeitpunkt schon seit sieben Jahren nichts mehr zusammen veröffentlicht – und lange nicht mehr miteinander gesprochen. Das lag an Gurus Alkoholsucht und seinem vermeintlichen Neid auf DJ Premier, aus dem einer der gefragtesten Hip-Hop-Produzenten geworden war – unbahängig von Gang Starr. Gurus Meinung nach war er es, der Premo entdeckt hatte. Ihm fehlte seitens Premier Anerkennung – symbolisch und finanziell. Das Verhältnis der beiden war also äußerst kompliziert.

Die Rolle von DJ Solar

Eine Schlüsselrolle hinsichtlich dieser Differenzen nahm DJ Solar (teilweise  nur „Solar“ oder „Solaar“ genannt) ein, mit dem Guru nach der Gang-Starr-Zeit zusammenarbeitete. Es gab etwa einen vermeintlich von Guru auf dem Sterbebett geschriebenen Brief, in dem stand, dass er nie wieder (auch über seinen Tod hinaus) etwas mit DJ Premier zu tun haben wolle. Später wurde die Echtheit dieses Dokuments aberkannt. Ob Solar der Fälscher war?

Außerdem behauptete Solar in einem Interview, dass Premier etwas mit einem 1999 an Guru verübten Raubüberfall zu tun gehabt habe. Darüber hinaus stritt er sich nach Gurus Ableben mit dessen Familie vor Gericht um sein Erbe. 2014 bekam Gurus Familie recht und aller Besitz wurde ihr zugesprochen. 

DJ Premier und auch Gurus Familie waren sich einig, dass die Gang-Starr-Legacy weiterleben sollte. Aufgrund der haltlosen Vorwürfe seitens Solar ihm gegenüber, war für DJ Premier lange keine Kommunikation mit Solar möglich.

Unveröffentlichte Aufnahmen von Guru

Als klar war, dass sich in Solars Besitz unveröffentlichte Aufnahmen von Guru befanden, wollte DJ Premier diese kaufen – egal zu welchem Preis. Jahre verstrichen, viel hin und her, aber irgendwann verhandelten sie. Ein Deal kam zustande und DJ Premier erwarb tatsächlich 30 Ton-Aufnahmen von DJ Solar.

Aus diesen Lyrics ist „One of the Best Yet“ entstanden. Teilweise sind sie kurz und unvollständig – das ist die Erklärung dafür, warum das Album mit seinen 16 Songs nur 37 Minuten lang ist. DJ Premier hat 18 Monate damit verbracht, aus dem Material das Album zu schmieden. Jeden Tag vollzog er dabei nach eigenen Angaben ein Ritual, bei dem er neben einer Urne mit einem Teil von Gurus Asche Salbei verbrannte. Guru sollte bei der Entstehung des Albums immer präsent sein.

Die Veröffentlichung des Albums hat nun auch wieder Solar auf den Plan gerufen. Er behauptet, nie zugestimmt zu haben, dass Premier aus dem Material ein Gang-Starr-Album machen dürfe. Seiner Meinung nach seien das alles Lyrics, die er und Guru zusammen geschrieben hätten. Er erwägt  weiter rechtliche Schritte gegen DJ Premier. Laut DJ Premier gibt es einen Vertrag, in dem alles vereinbart ist.

Video zu „Bad Name“

Wie klingt „One Of The Best Yet“ von Gang Starr?

Das Ergebnis dieser Geschichte ist aus unserer Sicht ein sehr dopes, nostalgisches und soulful Hip-Hop-Album geworden, das viele andere in diesem Jahr veröffentlichte Alben in den Schatten stellt. In unseren say say Jahrescharts 2019 belegte „One Of The Best Yet“ den 3. Platz!

Premo hat abgeliefert und das Album geschaffen, das sich Gang-Starr-Fans gewünscht haben

Die extrem hohen Standards der bisherigen Gang-Starr-Alben kann „One Of The Best Yet“ nicht erfüllen. Das liegt an der oben beschriebenen Entstehungsgeschichte. Premo konnte nur mit dem Material arbeiten, das er von Solar erworben hatte. Nur zwei Tracks des Albums sind über 3:30 Minuten lang (Zum Vergleich: Auf „Moment of Truth“ (1998) waren 15 Tracks über 3:30 Minuten lang).

Die schlechte Nachricht für Gang-Starr-Fans ist: „One of the Best Yet“ ist wohl das letzte Album, das es von diesem ikonischen Duo geben wird, denn das vorhandene Material reichte für dieses Album schon kaum aus; weitere Alben scheinen da ausgeschlossen.

In dem New York Times-Artikel äußert DJ Premier, dass er sich „Closure“ gewünscht hat. Die hat er mit diesem Album sowohl sich als auch den Fans beschert. Danke, Premo!


Unsere Favoriten von „One of the Best Yet“ und natürlich auf say say • soulful hip-hop radio zu hören:

  • „Family and Loyalty“ ft. J. Cole
  • „What’s Real“ ft. Group Home, Royce Da 5’9″
  • „From A Distance“ ft. Jeru The Damaja
  • „Hit Man“ ft. Q-Tip
Video zu „Family and Loyalty“ featuring J. Cole

Gang Starr – „One of the Best Yet“ • Fakten

Künstler: Gang Starr
Album: One of the Best Yet
VÖ: 1. November 2019
Anzahl der Tracks: 16
Laufzeit: 37 Minuten


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Kategorie: Reviews | Autoren: Rike & Freddy

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