Jay-Z - The Blueprint - Cover

Jay-Z „The Blueprint“ • 20 Jahre

Ein Hip-Hop Meilenstein feiert heute runden Geburtstag: The Blueprint, das sechste Album vom legendären Rapper Jay-Z, ist heute vor 20 Jahren erschienen. Während der 11. September 2001 mit dem Anschlag auf die Twin Towers zu einer der schlimmsten Nachkriegskatastrophen für die USA wird, erscheint zeitgleich Jiggas erster Teil der bekannten Blueprint-Reihe. The Blueprint wird trotz denkbar schlechter Umstände auf Anhieb ein Erfolg und noch heute zu einem der besten Hip-Hop Alben überhaupt gezählt.

Ein paar einordnende Zeilen zum damaligen Kontext des Albums findest du in diesem Beitrag.

Jay-Z 2004 by Universal
Jay-Z, frühe 2000er // Photocredit Universal

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Was ist vor The Blueprint passiert?

Rund um die Jahrtausendwende hat sich der Name Jay-Z im Hip-Hop längst etabliert. Im Vorlauf zu The Blueprint hatte der New Yorker seit Karrierestart bisher jedes Jahr ein Album veröffentlicht. Mit Release seines Debüts Reasonable Doubt (Link zum say say-Jubiläumspost) beginnt Hov zunächst sich mit Mafiosi-Rap und Gangster-Ästhetik in der Szene breit zu machen.

Nur breitmachen reicht ihm aber nicht – Jay will richtig hoch. Der roughe Boom Bap-Sound von DJ Premier, DJ Clark Kent & Co wird mit dem nachfolgenden Album In My Lifetime Vol. 1 etwas glattpolierter, als sich Puffy und seine Hitmen dem Soundbild des Albums annehmen. Als richtiger Teil der Shiny Suit-Era erscheint mit Vol. 2 der Nachfolger und enthält endlich den ersten riesigen Hit in Jays Karriere: Hard Knock Life (Ghetto Anthem) erscheint und sorgt für den endgültigen kommerziellen Durchbruch.

Das ist aber zunächst der Zenit in seiner Laufbahn, denn so einen richtigen Überhit hat das im Dezember ’99 folgende Vol. 3 nicht drin. Das sehr Swizz Beatz-lastige Album ist aber noch deutlich besser als das darauffolgende Roc La Familia, das zwar viele neue Producer vorstellt (u.a. einen gewissen Kanye West oder die Neptunes) aber irgendwie nichts halbes und nichts ganzes ist.

Umso heftiger ist deshalb der Impact, den The Blueprint hat. Der Disstrack Takeover wird als erstes released und sorgt schon für massive Reaktionen, aber spätestens die Leadsingle Izzo (H.O.V.A) wirkt wie eine Neugeburt von Jigga, der sich vom Sound her nochmal etwas verändert. Der auf diesem Album gleich vierfach vertretene Kanye baut aus einem Jackson 5-Sample ein markantes Soundgerüst, aus dem Jigga einen riesigen Hit formt. Nicht nur das New York-Anthem Izzo wird riesig: Der Thronanspruch Takeover schlägt wie erwähnt Wellen, genauso wie die Just Blaze-produzierten Jigga That N**** oder Song Cry zu vollen Erfolgen werden. Last but not least ist Renegade mit einem damals alles auseinandernehmenden Eminem einer der prominentesten Songs in Jays Diskographie – ob nun sein oder Ems Verdienst sei dahingestellt.


Trivia

Michael Jackson ist übrigens nicht nur durch ein Sample auf The Blueprint zu finden: Auf dem Bonustrack Girls, Girls, Girls, Pt. 2 ist der legendäre Popstar ungecreditet dabei und singt gemeinsam mit der ebenfalls ungelisteten Chanté Moore einige Zeilen.

Eine weitere Anekdote wird immer gern erzählt, wenn es Anlass gibt über The Blueprint zu schreiben – also warum auch nicht heute? Sieben der 13 ursprünglichen Songs sind laut dem legendären Producer 9th Wonder (der selber erst auf The Black Album für ihn produziert hat) an einem Wochenende entstanden und fertiggestellt worden. Jiggas Arbeitsweise sei anders als alles, was er sonst gesehen habe. Ohne Stift und Papier und innerhalb von wenigen Minuten seien einige der größten Tracks überhaupt entstanden, so der Justus League-Produzent:

Do you understand that I watched this man stand against a wall and move his mouth form 15 minutes and constructed a verse? Record it, come out and do it two MORE times? Imagine doing that your WHOLE career. 14 albums…all the guest verses….with. NO. PAPER.

Für 9th ist die gern geführte Debatte um den größten MC deshalb überhaupt keine Diskussion wert: Jay-Z is an ALIEN. He checks ALL the boxes. He can make all the shots. He can make all the throws, and all the catches. At a VERY. HIGH. CLIP.


Und heute?

Das Album genießt immer noch das Standing als eins seiner besten Alben überhaupt – und der Mann hat 13 Stück davon. Nicht nur der kommerzielle Erfolg (mehrfach Platin, fast 3 Millionen Kopien allein in den Staaten verkauft; Stand 2012) gibt ihm Recht: 2019 wurde The Blueprint für seine kulturelle Bedeutung neben so Alben wie Illmatic, The Chronic oder The Miseducation of Lauryn Hill in die Kongressbibliothek aufgenommen. In der Liste der 1001 Alben, die man vor seinem Tod hören sollte wurde es ebenso aufgenommen wie in die Top 5 der Bestenlisten von Rolling Stone, Complex oder Pitchfork. Mit dem Titel Blueprint (zu deutsch: Blaupause) hat Hova nicht übertrieben.

Zum Schluss noch eine Podcast-Empfehlung für alle, die einen Deep Dive ins Album machen wollen: Die britische Hip-Hop Podcastgruppe Breaking Atoms haben schon zum Reasonable Doubt-Jubiläum im Juni einen wahnsinnig guten Podcast über Hintergründe zum Album gemacht, inkl. Interviews mit damals beteiligten Personen wie DJ Clark Kent oder Ski Beatz. Zum Blueprint-Jubiläum machen sie das Gleiche nochmal, diesmal mit Gästen wie Just Blaze oder Jays Go-To Audio Engineer Young Guru. Reinhören lohnt sich!


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Autor: Matthi (Mostdope) | © Cover: Roc-A-Fella / Def Jam

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