Kanye West - Donda - Cover

Kanye West „Donda“ • Hintergründe und erster Eindruck vom neuen Album

Nicht nur die Hip-Hop-Welt hat auf Kanye Wests neues Album Donda gewartet: Es gab Gerüchte über Gerüchte. Vier Donda-Pre-Listening-Events inkl. brennendem Kindheitshaus und schwebendem Kanye. Featureänderungen in letzter Sekunde. Livestreams direkt aus einem von Kanye extra angemieteten Raum in einem riesigen Stadion: Ja, es ist (mal wieder) keine gewöhnliche Promophase gewesen, die Hip-Hops vielleicht exzentrischster Künstler da hingelegt hat. Aber nun ist es nach mehreren Release-Verschiebungen tatsächlich da: Kanye West hat heute sein zehntes Studioalbum Donda veröffentlicht. 27 Tracks ist es lang, die Featureliste ist ewig lang und mit vielen großen Namen gespickt, allen voran Jay-Z! Es ist kein reines Gospel-Album, wie es der Vorgänger Jesus Is King aus 2019 noch gewesen ist.

Wer den Überblick über die gefühlt endlose Promophase zu Donda behalten will, kann in diesem say say-Post noch einmal die Geschehnisse rund um den Vorlauf zum Album nachlesen. Dieser Post hier ist dagegen für den ersten Eindruck zu der neuen Musik, die Kanye West uns beschert hat.

Kanye West - Pressefoto Universal (2018)
Kanye West // © Photo: Universal Music

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Kanye West und die Erwartungshaltung

Die Promophase war beispiellos, die Erwartungshaltung mit jeder neuen Verscheibung höher, aber kann die Musik mithalten? Kanye hat in seiner langen Karriere schon viele Spielarten des Hip-Hop bedient: Von der Anfangszeit als reiner Produzent über die College-Trilogie (2004-2007), die wohl am ehesten als klassischer Hip-Hop betitelt werden kann, wurde es mit den Jahren immer experimenteller: Ein Autotune-Album (808s & Heartbreak, 2008), lang bevor der Autotune im Rap en vogue wurde, ein Blockbuster-Album in My Beautiful Dark Twisted Fantasy (say say-Post zum zehnjährigen Jubiläum) und viele weitere Ausflüge in alle möglichen Genre-Richtungen während der 2010er. Gospel (Jesus Is King), Trapähnlich (The Life Of Pablo), Electronica (Yeezus) – irgendwas probiert der mittlerweile 44-Jährige immer aus. Nur das gleiche Album, das macht er nicht nochmal. Die Frage war: Was wird es bei Donda sein, immerhin ein Album, das Kanye nach seiner 2007 verstorbenen Mutter benannt hat und alleine deshalb vermutlich einen besonders hohen Stellenwert für Ye haben wird?

Nach den Donda-Listening Events hatte man eine gewisse Ahnung von dem Klang, aber bei jeder neuen Ausgabe der Konzerte war wieder etwas an den Songstrukturen verändert worden, wieder ein Featuregast weggefallen und wieder ein neuer quasi on the spot hinzugefügt worden. Erst jetzt, wo Donda endgültig auf den Streamingplattformen erschienen ist, setzt sich nun das vorher im Kopf erstellte Puzzle allmählich zusammen.

Donda ist endgültig draußen

Anfangen tut das Album mit dem Song Donda Chant, der ausschließlich das Wort Donda beinhaltet – und das über 50 Sekunden lang und in den verschiedensten Kadenzen und Tönen. Sehr interessanter Einstieg auf jeden Fall. Direkt der Track danach ist das viel diskutierte Jail, das in einer ersten Fassung noch Jay-Z als Feature hatte, beim Listening Event in Chicago aber auf einmal den momentan kontrovers diskutierten DaBaby als Gast führte. Die finale Version von Jail hat aber tatsächlich Jay-Z im dritten Part, die DaBaby-Version Jail pt 2 ist dagegen ans hintere Ende gerutscht und wegen Clearance-Problemen noch grau hinterlegt und nicht zu hören [Update 29.08.21, 18:00 Uhr: Jail pt 2 ist nun auch verfügbar]. Übrigens ist auch Kanyes KIDS SEE GHOSTS-Partner Kid Cudi final DOCH auf Moon enthalten, obwohl er nach dem Chicago-Stand noch raus war. Generell sehr spannend, welche Features es aus den jeweiligen Listening Events auf die endgültige Fassung geschafft haben.

Features auf Donda

Überhaupt Features: Die gibt es auf Donda zuhauf, obwohl auf den Streamingplattformen offiziell keine Features gelistet sind. Tatsächlich hat aber fast jeder Track mindestens ein Feature (viele aus dem Newschool-Bereich) und das sorgt natürlich für sehr viel Abwechslung, auch soundtechnisch. Die meisten Momente sind pompös und sehr groß gehalten, es gibt allein durch die Featuregäste wie Lil Baby, Lil Yachty, Pop Smoke (RIP) oder Fivio Foreign sehr viel Trap- und Drill-Elemente. Das in Verbindung mit dem gospelähnlichen Klang, den Kanye mittlerweile in seine Musik durch Einsatz von Synthies und Orgeln einbaut, sorgt für eine extrem interessante ambivalente Mischung. Die Featurehighlights kommen für mich aber nach dem ersten Hören von den etwas klassischeren Hip-Hop Acts wie Jigga und vor allem Jadakiss & Styles P von The LOX [Update: Sheek Louch von The Lox ist auf dem Track ebenfalls vertreten]. Der gemeinsame Track Jesus Lord pt. 2 ist mit 11:30 Minuten zwar etwas zu lang fürs Radio, aber bleibt mir ganz besonders im Kopf.

Was abschließend für mich nach dem ersten Hören fest steht: Donda ist gefühlt vor allem darauf ausgelegt in Stadien und auf Messen gespielt zu werden. Ein wenig verbindet es alle seine vorherigen Alben zu einem großen Ganzen, denn es finden sich alle möglichen Einflüsse in den knapp 2h Albumlaufzeit wieder. Aber genau das macht es (für den Anfang) etwas schwer zu greifen. Um es zuhause zu fühlen, muss ich es wohl noch einige Male mehr hören. Aber ich denke, es ist eins dieser Alben, das vermutlich mit jedem Hören neue Entdeckungen mit sich bringt – alleine durch die schiere Größe, die es aufweist. Und eventuell ist es trotz offiziellem Streamingrelease noch nicht die endgültige Fassung – es ist immerhin Kanye West, von dem wir reden.


Donda auf say say?

Neue Musik von Kanye West bedeutet nicht immer zwangsweise, dass auch alles blind ins Programm von say say • soulful hip-hop radio wandert. Viele der Songs brauchen mehrere Durchläufe oder den Kontext des gesamten Albums, um zu wirken – nicht immer förderlich fürs Radio. Wir hören das Album noch einige Male durch und schauen dann, was wir übernehmen. Tracks, die ich mir beim ersten Mal Hören schon am ehesten fürs Radio vorstellen konnte:

  • Track Nr. 4 – Off The Grid
  • Track Nr. 10 – Believe What I Say
  • Track Nr. 16 – Keep My Spirit Alive

Kanye West – „Donda“ • Shortfacts

Künstler: Kanye West
Album: Donda
VÖ: 29. August 2021
Anzahl der Tracks: 27 (aktuell 26)
Laufzeit: 108 Min.
Label: Getting Out Or Dreams II / Def Jam


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Autor: Matthi (Mostdope) | © Beitragsbild: Getting Out Our Dreams LLC / Def Jam Recordings

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