Little Simz - Sometimes I Might Be Introvert - Cover

Little Simz „Sometimes I Might Be Introvert“ • Review

Das neue Album der britischen Hip-Hop Künstlerin Little Simz ist da! Nach einer (für heutige Zeiten) ungewöhnlich langen Promophase von beinahe einem halben Jahr und fünf ausgekoppelten Singles ist heute, am 3. September 2021, ihr viertes Album Sometimes I Might Be Introvert veröffentlicht worden.

Einige Hintergründe zu Little Simz und dem neuen Album sowie meine ersten Eindrücke zu Sometimes I Might Be Introvert findest du hier im Beitrag.


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Erste Eindrücke zu Sometimes I Might Be Introvert

Der Anfang ist dank der Vorabsingles bereits bekannt und zeigt: Little Simzs Musik ist im Vergleich zu ihrem Vorgängeralbum Grey Area (2019) eine Spur „größer“ geworden. Sind viele Grey Area-Songs roh und drückend gewesen, haben bereits die ersten Singles von SIMBI gezeigt, dass alles ein wenig polierter und orchestrierter zugeht.

Produktion

Auch auf den noch unbekannten Tracks von Sometimes I Might Be Introvert geht es orchestral und abwechslungsreich weiter. Langzeitproduzent Inflo bastelt Little Simz mal alleine, mal in Begleitung von anderen Producern ein wahnsinnig detailreiches und stimmiges Soundbild, das immer neue Überraschungen bietet. Mal sind Jazzelemente zu hören, dann wieder ganz UK-typischer Grime, es lassen sich aber auch Funk- oder Neo-Soul-Sounds raushören. Alleine die Backing Vocals auf Little Q, Pt. 2, die Hörner auf Standing Ovation oder die Drums auf Fear No Man sind Entdeckungen, die ich beim ersten Hören mache und mir direkt einpräge. Von dieser Art wird es vermutlich beim zweiten, dritten und vierten Hören noch deutlich mehr geben, Sometimes I Might Be Introvert ist ein Album, dass ich definitiv mehr hören möchte.

Rap

Das ist aber nur der Production-Part. Die Raps von Little Simz variieren auf Sometimes I Might Be Introvert wie gewohnt zwischen aggressiver Schnelligkeit und entspanntem, einfühlsamen Storytelling. Die Lyrics handeln mal von ihren britisch-nigerianischen Wurzeln (Introvert), mal von der Marginalisierung schwarzer Frauen aufgrund ihrer Hautfarbe (Woman) und mal von ihrem eigenen Standing im Rapgame und den Impact, den sie bereits gehabt hat (Speed). Verwoben werden die losen Themen dadurch, dass Little Simz ihre eigene Geschichte geschickt in das große Ganze einbaut, wie das Outro vom Opener Introvert eröffnet:

As you embark on a journey
Of what it takes to be a woman

Diese Themenvariabilität wird auf Sometimes I Might Be Introvert komplementiert durch ihre Vocals, mit der sie die Ambivalenz zwischen Angriffslustigkeit und Zurückgezogenheit stimmlich darstellt. Aggressive Trap-Flows folgen unmittelbar auf gospelähnliches Preaching und sind damit ähnlich divers wie die Produktionen. Die zuletzt ausgekoppelte Single Point And Kill z.B. ist bei all den ernsthaften Themen ein verspielter, grooviger Track, der eins der lediglich zwei Features enthält: Obongjayar, ein Londoner Rapper mit denselben Roots wie sie, unterstützt sie dabei, den Vibe aus Nigeria nach England zu bringen – heraus kommt ein sehr lebendiger und Spaß machender Track.

Fazit

Ein kurzer Drake-Vergleich, der heute parallel Certified Lover Boy released hat (hier geht’s zu unserer Review), muss sein: Beide Alben sind relativ lang und bieten mit 19 bzw. 21 Tracks genügend Platz, sich auszutoben und auszuprobieren. Am Ende des Tages hat aber nur eine von beiden Parteien dies ausgenutzt. Little Simz geht auf Sometimes I Might Be Introvert über die gesamte Spielzeit immer wieder neue Wege und stößt in musikalische Ecken vor, die bei Drake vermutlich gar nicht zur Debatte stehen würden. Harfenklang geht fließend über in drückende Basssounds und wird wieder aufgefangen von tosendem Orchester. Immer mittendrin: Eine mal zurückhaltende, mal aggressive Simbi, die sich von ihren verletzlichen, aber auch starken Seiten zeigt und vor allem ihre Skills am Mic wieder und wieder demonstriert. Das gepaart mit den orchestralen und großflächigen Produktionen sorgt für ein jetzt schon großartiges Album, das sich sicherlich auf einigen AOTY-Listen wiederfinden wird.


Kurzvorstellung Little Simz

Simbiatu Ajikawo wird neben ihrem Künstlernamen Little Simz auch kurz Simbi gerufen – dieser Spitzname findet sich auch im Akronym zu ihrem neuen Album wieder. Es zeigt: Ein großer Teil ihrer Musik handelt von Simbi selber, es dreht sich viel um sie als Person. Und da gibt es einiges zu erzählen: Die 27-Jährige ist als Tochter nigerianischer Einwanderer in London großgeworden und seit jungen Jahren ohne Vater aufgewachsen. Verarbeiten tut sie das u.a. in der Musik und welche Musikrichtung würde sich da besser eignen als der stark lyricsbetonte Rap?

Seit 2010 veröffentlicht sie in relativ regelmäßigen Abständen Musik, um ihre Gedanken aufs Textblatt zu bringen und introspektive und/oder sozialkritische Tracks zu kreieren. Mixtape-Anfänge, ein erstes Soloalbum in A Curious Tale of Trials + Persons (2015) und zwei Folgealben, wobei insbesondere das letzte Album Grey Area sie endgültig nach oben gespült hat und mit Songs wie Venom oder Selfish auch weg vom Kritikerlieblingstatus hin zur Preisverleihungsabräumerin gebracht hat. Gefeiert wird sie neben ihren Texten auch für ihren gefühlt mühelosen Flow, der sie über die Beats (meistens von Inflo, ihrem langjährigen Wegbegleiter und Producer) schweben lässt.

Nicht nur in der Musik liegen die Talente von Little Simz, nebenbei ist sie auch als Schauspielerin unterwegs. Parallel zum Start ihrer Musikkarriere 2010 begann Simz in Serien aufzutreten. Über Rollen in BBC und E40-Serien ging es 2019 bis hin zu Auftritten in der großartigen Netflix-Serie Top Boy, die von Megastar und UK-Fan Drake finanziert und mit Auftritten von anderen UK-Rappern wie Dave oder Kano gespickt ist.

Little Simz - Pressefoto 5 - by Tilla Arcé
Little Simz // Foto: Tilla Arcé

Hintergründe zu Sometimes I Might Be Introvert

It’s me being this introverted person that has all these crazy thoughts and ideas and theories in my head and not always feeling like I’m able to express it if it’s not through my art – im Guardian-Interview hat Little Simz vom Grundstein dieses Albums erzählt und festgemacht, was das Konzept hinter Sometimes I Might Be Introvert sein soll. Wer so derartig kreativ und talentiert ist, scheint wohl beinahe überzulaufen vor Ideen. Die galt es für das neue Album zu sammeln und zu ordnen, gleichzeitig aber sich selbst auch genug kreativen Freiraum zu lassen, um die Gedanken sich in Songstrukturen und Lyrics entfalten zu lassen. Laut eigener Aussage wollt Simbi dabei ein wiederkehrendes Thema finden, das wie ein roter Faden durch das Album führen sollte. Gefunden hat sie es in dem inneren Zwiespalt zwischen Simz, der Künstlerin und Simbi, der Person.

Die Promophase wurde bereits Anfang 2021 begonnen. Stück für Stück wurden Singles wie Introvert, I Hate You I Love You oder Rollin Stone veröffentlicht und gaben den ersten Vorgeschmack auf das, was kommen sollte. Schon da wurde klar: Kein Song gleicht dem anderen. Als besonderes Extra in der Promophase wurde Little Simz zu ihrem bereits zweiten Tiny Desk Concert eingeladen, nachdem sie 2017 schon mal gemeinsam mit den Phony Ppl in dem beliebten Konzertformat zu Gast war. Große Empfehlung von mir, sich diesen und den neuen Auftritt in ganzter Länge zu geben!


Little Simz bei say say

Songs des neuen Albums von Little Simz findest du ab sofort natürlich auch im Programm von say say • soulful hip-hop radio, genauso wie wir viele alte Sachen seit langem bei uns spielen. Nach dem ersten Hören besonders angetan haben es uns..

  • Track Nr. 4 – I Love You, I Hate You
  • Track Nr. 6 – Little Q, Pt. 2
  • Track Nr. 9 – Standing Ovation
Little Simz - Pressefoto 19 - by Nwaka Okparaeke
Little Simz // Photocredit: Nwaka Okparaeke

Little Simz – „Sometimes I Might Be Introvert“ • Shortfacts

Künstler: Little Simz
Album: Sometimes I Might Be Introvert
VÖ: 3. September 2021
Anzahl der Tracks: 19
Laufzeit: 65 Min.
Label: AGE 1010 MUSIC / AWAL Recordings


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Little Simz – „Sometimes I Might Be Introvert“ • Album bei Spotify streamen

Spotify-Link für das neue Little Simz Album Sometimes I Might Be Introvert


Autor: Matthi (Mostdope) | © Beitragsbild: AGE 101 MUSIC / AWAL Recordings

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