Nas King's Disease Album Cover say say soulful hip-hop radio

Nas „King’s Disease“ • Review

In Hip-Hop-Kreisen werden nur wenige anzweifeln, dass Nasir bin Olu Dara Jones a.k.a. Nas aus New York City, zu den wenigen lebenden Großmeistern des Hip-Hop gehört. Nas ist ein GOAT (Greatest of All Time). Wenn ein GOAT ein neues Album veröffentlicht, ist das in der Hip-Hop-Welt ein Großereignis, zu dem jeder eine Meinung hat.

Den Legenden-Status hat Nas quasi seit seinem 21. Lebensjahr inne, als sein Debütalbum Illmatic (19. April 1994) erschien, für viele das größte Hip-Hop-Album aller Zeiten (hier liest du 10 überraschende Fakten zu „Illmatic“). Seit dem wurden Fans mehrfach durch mittelmäßige Veröffentlichungen enttäuscht, aber bei jedem neuen Album bleibt die Hoffnung, dass es ein weiterer Hip-Hop-Klassiker oder zumindest ein Album des Jahres (AOTY – Album of the Year) sein könnte. Das mag für Künstler wie Nas ein Fluch sein, aber es bringt ihnen viel Aufmerksamkeit.

Nas by Mass Appeal (Promo King's Disease)
Nas (Foto: Mass Appeal)

Heute (21. August 2020) hat Nas King’s Disease“ veröffentlicht, sein zwölftes Studioalbum, wenn man Mixtapes, die „The Lost Tapes“-Alben, Greatest Hits und Kollabo-Alben (Damian Marley; The Firm) nicht zählt.

Das Album ist in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Hit-Boy (u.a. „N****z in Paris“, „Backseat Freestyle“, „Clique“) entstanden, der alle Tracks produziert hat (teilweise mit Unterstützung).

Spoiler: „King’s Disease“ ist (leider) weder ein Hip-Hop-Klassiker, noch ein AOTY-Contender. Nachdem das geklärt ist – was kann „King’s Disease“ und vor allem, wie klingt das Album?


Opener & Titeltrack von Nas‘ „King’s Disease“-Album

„King’s Disease“ von Nas – Review

„King’s Disease“ in drei Worten: besser-als-erwartet, nice, durchwachsen.

Unsere Favoriten auf „King’s Disease“ und bereits auf say say • soulful hip-hop radio zu hören:

  • „Car #85“ featuring Charlie Wilson
  • „All Bad“ featuring Anderson .Paak
  • „Blue Benz“

Positiv: Nas ist weiterhin ein Ausnahme-Rapper, der auf jedem Track mit Stimme, Flow, Lyrik und Charisma begeistert (manchmal auch mit Inhalten). Ein mittelmäßiger Nas Track steckt immer noch viele viele andere Hip-Hop-Tracks locker in die Tasche.

Und ja, Hit-Boy kann auch klassische Hip-Hop-Beats produzieren, ohne hektische Hi-Hats oder Ähnliches. Der dope Opener & Titeltrack („King’s Disease“) kommt fast ohne Drums aus und wird dafür von einem schönen Soul-Sample getragen. „Blue Benz“ ist ein echter Banger mit treibendem Beat. Mein persönliches Highlight ist „Car #85“: Nas erinnert sich an seine Jugend und „Summertime in NY“ über entspannte 85 BpM und unterstützt von Charlie Wilsons Gesang. „Ultra Black“, die einzige Vorabsingle, kannte man schon. Schönes Ding, kann man machen. Ein weiteres Highlight ist „All Bad“ mit einem unserer Lieblingskünstler, Anderson .Paak. Obwohl mir der Track gefällt, bleibt er hinter seinen Möglichkeiten bei zwei so großartigen Künstlern. Weitere Tracks sind solider Hip-Hop („The Definition“, „10 Points“, „The Cure“), hauen aber auch niemand um.


Negativ: Wie kam es zu dem Lil Durk-Feature („Til The War Is Won“)? Ist Nas tatsächlich Fan von Lil Durk? Soll damit eine jüngere Zielgruppe angesprochen werden (Lil Durk ist knapp 20 Jahre jünger als Nas)? Feiern Lil Durk Fans diesen Track? Ich kenne die Antworten nicht, aber für mich persönlich hat der schwer verständliche Autotune-Sing-Sang einen bis dahin ganz coolen Track verdorben. Das soll kein Urteil über Lil Durks Kunst sein (ich bin vermutlich einfach zu alt dafür), für mich persönlich passt er einfach nicht zu Nas. Ähnliche Fragen drängen sich bei den trappigeren Beats („27 Summers“, „Spicy“ und besagter „Til The War Is Won“) und dem Autotune-Gesang von Don Toliver („Replace Me“) auf.

Nas kann und soll sich als Künstler weiterentwickeln. Er schuldet den „Illmatic-Fans“ nichts. Niemand kann erwarten, dass er seinen mit 20 Jahren gewählten Stil lebenslang beibehält. Entscheidend ist letztlich, ob großartige Musik entsteht, egal ob Nas über Boom-Bap- oder Trap-Beats rappt. Und hier gehen die Meinungen natürlich auseinander. Meiner Meinung nach passen klassische Produktionen besser zu Nas, aber diese Ansicht hat sicher nostalgische Gründe.

Das Comeback der 1997 gefloppten Hip-Hop-Supergroup The Firm auf dem Track „Full Circle“ will nicht so richtig zünden, auch wenn es Spaß macht, Nas, AZ, Foxy Brown, Cormega und wieder auf einem Track zu hören. Am Ende des Tracks spricht sogar Dr. Dre, ohne offiziell als Feature genannt zu sein. Ein neues Album der Firm scheint nicht ausgeschlossen.


Nas‘ Rap-Talent bleibt unbestritten. Ebenso seine zweifelhafte Beat-Auswahl. Nas ist ein großartiger Rapper (einer der großartigsten, den wir kennen), aber wohl kein großartiger Musiker.

Das Vorgängeralbum Nasir(2018) war geprägt von der Vision Kanye Wests. Das Ergebnis kann man gut oder schlecht finden, aber es war ein in sich stimmiges, besonderes Album. Das kann man von „King’s Disease“ nicht sagen. Hit-Boy mag ein guter Beatmaker sein, aber offenbar kein musikalischer Visionär, der mit Nas etwas wirklich Großes hätte schaffen können.

Fazit: Werden wir uns an „King’s Disease“ in ein paar Jahren erinnern? Ich denke nicht. Sind ein paar schöne Tracks darauf? Yup. Also, let’s enjoy what we got, vor allem Tracks wie „Car #85“!


Mein Lieblingstrack von „King’s Disease“

„King’s Disease“ von Nas – Fakten

  • Künstler: Nas
  • Album: King’s Disease
  • VÖ: 21. August 2020
  • Anzahl der Tracks: 13
  • Laufzeit: 38 Minuten

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Kategorie: Reviews | Autor: Freddy

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