Nas – „The Lost Tapes 2“ • Review & Stream

Die Veröffentlichung von Nas‘ Hip-Hop-Album „The Lost Tapes 2“ (VÖ: 19. Juli 2019) muss sich für Nas-Jünger ungefähr so anfühlen wie sein erstes Aufeinandertreffen mit Large Professor. Schließlich mussten sie 17 Jahre auf das Teil warten.

Der Vorgänger „The Lost Tapes“ erblickte im September 2002 das Licht der Hip-Hop-Welt. Eigentlich sollte Nummer zwei im Jahr darauf folgen. Eigentlich. Denn Querelen mit Nas‘ wechselnden Labels Rigmarole, Sony und Def Jam führten dazu, dass die Veröffentlichungs-Termine immer wieder aufgeschoben wurden – aus 2003 wurde 2006 wurde 2010. Bis „The Lost Tapes 2“ erst mal im hinterletzten Karton in Nas‘ Keller verschwand. Nerd-Facts: Aus Empörung schrieb Nas‘ damals sogar eine Pöbel-Mail an die Verantwortlichen bei Def Jam. Seine Fans waren auch nicht untätig: Sie starteten eine Petition gegen Label-Sklaverei und für die Veröffentlichung der herbeigesehnten Scheibe (mehr Infos dazu und den Petitions-Text gibt es hier).

Nun ja, „gut Ding will Weile haben“. Nach 17 Jahren ist das Album nun endlich nicht mehr lost und besteht aus Tracks, die es auf die vorherigen vier Alben – „Hip Hop Is Dead“ (2006), „Untitled“ (2008), „Life Is Good“ (2012) und „Nasir“ aus dem letzten Jahr – nicht geschafft haben. Das lange Warten hat einen positiven Nebeneffekt: „Ich habe mittlerweile genug Material für ‚Lost Tapes 3‘ und ‚Lost Tapes 4‘.“, sagte Herr Nasir Jones himself vor kurzem bei der Listening Session in der Kommando-Zentrale von Mass Appeal.

Die Liste der mitwirkenden Künstler auf „The Lost Tapes 2“ geht runter wie Öl. Auf Produzenten-Seite sind das zum Beispiel Swizz Beatz, RZA, Pharrell, Pete Rock, The Alchemist, Statik Selektah oder Kanye West. Das spannendste Gesangs-Feature ist eindeutig der 2017 verstorbene Singer/Songwriter und Grammy-Preisträger Al Jarreau im Song „Jarreau Of Rap (Skatt Attack)“. So bekommt „The Lost Tapes 2“ noch eine posthume Note.


Nas feat. Al Jarreau & Keyon Harrold – „Jarreau Of Rap (Skatt Attack)“ • Video


So klingt „The Lost Tapes 2“ von Nas

In drei Worten: soulful, verspielt, eklektisch 

Unsere Favoriten von „The Lost Tapes 2“ im Überblick und bereits auf say say • soulful hip-hop radio zu hören:

  • „Jarreau Of Rap (Skatt Attack)“ feat. Al Jarreau & Keyon Harrold
  • „Adult Film“ feat. Swizz Beatz
  • „It Never Ends“
  • „You Mean The World To Me“
  • „QueensBridge Politics“

Machen wir uns nichts vor – immer wenn Nas eine Veröffentlichung raushaut, hoffen wir insgeheim, dass sich sein Meilenstein-Debüt „Illmatic“ (1994) wiederholt. Denn wir lieben es so sehr! Aber wir müssen uns eingestehen, dass so etwas nur ein einziges Mal möglich ist und wir der „alten Zeit“ nicht hinterhertrauern dürfen. Deswegen: Bei Nas setzt man die Latte grundsätzlich sehr hoch an. Aus diesem Grund ist es absolut nicht verwerflich, wenn man die Erwartungen ein klitzekleines Bisschen herunterschraubt.

Als Hip-Hop-Meilenstein kann man Nas‘ „The Lost Tapes 2“ zwar nicht bezeichnen, dennoch ist das Album durch und durch richtig gut anzuhören. In jedem einzelnen Song merkt man, dass Nas ein begnadeter Rapper ist. Dass er gerne experimentiert und etwas wagt, hört man etwa in „Jarreau Of Rap“, das herrlich gehetzt, ein bisschen irre und aufgrund der Bläser nach großen Musical-Gesten klingt. In „QueensBridge Politics“ stellt man fest (auch aufgrund des ruhigen, soulful Beats von Pete Rock), dass Nas wie eh und je ein begnadeter Storyteller ist. Darin erzählt er von seinen Werten, Kindern, Frauen, Ungerechtigkeiten aufgrund der Hautfarbe, seinen Rap-Vorbildern, der Musikindustrie, Verlusten und natürlich von seiner Herkunft. Bei dem Track muss man ganz doll an den jungen Nas aus Queensbridge denken, der kurz davor ist, richtig durchzustarten …

Fazit: Auf diesem Album ist auf Producer-Seite nahezu alles vertreten, was Rang und Namen hat. Das macht aus „The Lost Tapes 2“ eine eklektische, superspannende Wundertüte. Was Nas betrifft, kann man die Zeilen zitieren, mit denen er das Album einleitet: „Ich nehme eure Skepsis gar nicht wahr. Denn was ihr hier hört, habt ihr noch nie gehört, bevor ich es gerappt habe.“ („I’m oblivious to you skeptics, what you hear you ain’t ever hear ‚til I repped it“) Word! Und Respekt für Nasty Nas!


Nas – „The Lost Tapes 2“ • Trailer


Fakten zu „The Lost Tapes 2“ von Nas

Künstler: Nas
Album: The Lost Tapes 2
VÖ: 19. Juli 2019
Anzahl der Tracks: 16
Laufzeit: 59 Minuten


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Kategorie: Reviews | Autorin: Rike

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