Beitragsbild: Rapsody – "Eve"

Rapsody – „Eve“ • Review & Stream

Rapsodys drittes Hip-Hop-Album „Eve“ ist da (VÖ: 23. August 2019). Die Erwartungen an die 36-jährige Rapperin aus North Carolina, die schon Dr. Dre als seine „Lieblings-Rapperin“ bezeichnete, sind immens: Ihr letztes Album „Laila’s Wisdom“ (2017) wurde von Fans & Kritikern gelobt und für zwei Grammys (!) nominiert – erreichte in den US Album-Charts aber nur Platz 125. Mit Jay-Z’s Roc Nation Label im Rücken lief die Promo-Maschine nun auf 180, Rapsody war in den vergangenen Wochen gefühlt täglich bei einer US-TV- oder Radioshow zu Gast. Die mediale Aufmerksamkeit für ein Hip-Hop-Album könnte kaum größer sein.

Hält das Album musikalisch, was der Promo-Circus und die großartige Vorabsingle „Ibtihaj“ mit Genius/GZA versprechen?


So klingt „Eve“ von Rapsody

In drei Worten: soulful, stark, tiefgründig

Meine Favoriten von „Eve“ im Überblick und bereits auf say say • soulful hip-hop radio zu hören:

  • „Nina“
  • „Cleo“ (mit Sample von Phil Collins„In The Air Tonight“!)
  • „Aaliyah“
  • „Ibtihaj“ feat. D’Angelo & GZA
  • „Michelle“
  • „Hatshepsut“ feat. Queen Latifah

Als Produzenten agieren Mentor und Weggefährte 9th Wonder, Eric G und Nottz von 9th Wonders Produzentengruppe Soul Council und einige andere. Starke Features von etwa D’Angelo, GZA, Queen Latifah oder J. Cole runden das Konzeptalbum „Eve“ zu einer echten „Bohemian R(h)apsody“ ab.

Fazit: In Zeiten von „#MeToo“, „Black Lives Matter“ oder Colin Kaepernicks Protest gegen Rassismus in der NFL ist Rapsodys „Eve“ ein immens relevantes Album. Die immanenten Frauen-Biografien schaffen starke Awareness für Zeitgeschehen und Zeitgeschichte. Die Verzahnung mit Rapsodys lyrischer Tiefe macht aus „Eve“ ein hochkomplexes Werk. Bei jedem neuen Hören entdeckt man weitere Verweise und Referenzen, die man erstmal dechiffrieren muss – langweilig wird einem da auf gar keinen Fall. So ein Album hat die Rap-Welt mal wieder gebraucht. Großartig!

Rapsody „Eve“ – spannendes Konzept

Der Titel „Eve“, der der ersten Frau auf der Welt gewidmet ist, deutet es an: Auch der Rest des Albums handelt von starken Frauen, zu denen Rapsody aufschaut und die sie inspiriert haben: „Nina“, „Aaliyah“, „Oprah“, „Serena“, „Michelle“ und einige weitere (siehe Tracklist unten). Hinter jedem Songtitel steckt also Black Female Power. Rapsody selbst drückt ihre Kraft durch ihre klugen Reime und ihren klaren Flow aus.

Das mit den großen Namen führt Rapsody nun auch auf ihrem dritten Album fort. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Tracklist mit allen starken Frauen, die dahinter stehen, für euch aufzulisten. Es macht großen Spaß, loszugooglen und sich in die Biografien all dieser Frauen zu vertiefen (Links führen zu Wikipedia):

Rapsody „Eve“ – Standout-Tracks

Der vorab erschienene Titel „Ibtihaj“ etwa ehrt die muslimische Fechterin Ibtihaj Muhammad. Sie war die erste US-Amerikanerin, die bei den Olympischen Spielen mit einem Kopftuch aufgetreten ist. Ihr wurde später deswegen sogar eine Barbie mit Hidschab nachempfunden. Außerdem ist sie für die US-amerikanische Regierung Sportbotschafterin und setzt sich dabei für die Förderung von Mädchen und Frauen im Sport ein. Der Track, der durch die Features von D’Angelo und GZA sowie 9th Wonders Beat eine funkig-psychedelische Note hat, handelt aber nicht direkt von ihr, sondern von den Anfängen einiger Rapper und Rapperinnen. Der inhaltliche Bogen zwischen ihnen und der Sportlerin wird vielmehr durch die Selbstermächtigung, die sie beide vollzogen haben, gespannt. Deswegen sind in Rapsodys künstlerisch wertvollem Video auch einige starke muslimische Mädels zu sehen:

Rapsody feat. D’Angelo & GZA – „Ibtihaj“ • Video


Für das atmosphärisch-mystische „Nina“ lässt es sich Rapsody nicht nehmen, Nina Simones berühmten Song „Strang Fruit“ als Sample zum Teil ihres Tracks zu machen.

Rapsody – „Nina“ • Video


Auch bei „Aaliyah“ setzt sie die engelsgleiche Stimme der viel zu früh ums Leben gekommenen Sängerin ein. Außerdem erinnert sie sich an die Zeit, in der Aaliyah noch am Leben war und zieht viele weitere Referenzen. Zum Beispiel erwähnt sie ihre Songs „Are You That Somebody?“, „Rock The Boat“ oder „More Than A Woman“.

„Michelle“ ist sehr leicht, poppig und funky geraten. Ein Party-Track, der sicher auch Michelle Obama gefällt, wenn man sie wie hier beim Carpool Karaoke abgehen sieht:

Carpool Karaoke mit Michelle Obama • Video


Rapsody „Eve“ – Fakten

Künstlerin: Rapsody
Album: Eve
VÖ: 23. August 2019
Anzahl der Tracks: 16
Laufzeit: 1 Stunde 3 Minuten


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Kategorie: Reviews | Autorin: Rike

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