Riots - Pexels by Vital1na

Rodney King, die L.A. Riots und deren Bedeutung für Hip-Hop

Heute jährt sich ein auch für den Hip-Hop wichtiges Ereignis zum dreißigsten Mal. Am 3. März 1991 wurde der Afroamerikaner Rodney King in Los Angeles von vier Polizisten nach einer Verfolgungsjagd schwerstens verprügelt. Der unbewaffnete King bekam über 50 Schlagstock-Schläge auf den ganzen Körper ab, die ihn mit schlimmen Kopf- Körper- und Beinverletzungen zurückließen.

Heute, im Zeitalter des Smartphones, kann man sich das kaum noch vorstellen, aber es war tatsächlich ein kleines Wunder, dass jemand die Tat filmte. Der unbeteiligte George Holliday hielt die Polizeigewalt von seinem Balkon aus per Videokamera fest und sendete die Aufzeichnungen an den Sender KTLA. Diese Bilder gingen daraufhin um die Welt.

Die Polizisten des Los Angeles Police Departments (LAPD) wurden zunächst wegen Übergriffs und übermäßiger Gewalt angeklagt. Rund ein Jahr später erfolgte die finale Gerichtsverhandlung mit einem Ausgang, der ein eh schon brodelndes Pulverfass zum Explodieren brachte. Die neun Geschworenen (alle mit weißer Hautfarbe) sprachen die Angeklagten am 29. April 1992 frei.

Unmittelbar nach dieser Verkündigung begannen beispiellose Proteste in Los Angeles, die sich über mehrere Tage zogen und über 50 Todesopfer sowie +2000 Verletzte forderten. Die Wut entlud sich völlig, die Stadt brannte im wahrsten Sinne des Wortes. Straßenschlachten und Plünderungen bestimmten das Bild von Los Angeles für einige Tage, bevor sich Anfang Mai die Situation langsam wieder beruhigte. Es war unter anderem Rodney King selber, der in einer Rede für ein Ende der Unruhen bat.


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Rap is Black America’s CNN

Manche Menschen konnten nicht verstehen, woher die ganze Wut kam. Aber wenn du vorher schon Hip-Hop gehört hattest, wusstest du: Das hatte sich schon über Jahre aufgebaut, erzählte Snoop Dogg in der am Ende des Beitrags verlinkten Dokumentation zu den L.A. Riots. Auch für KRS-One war Rodney King die Bestätigung von allem, was der Hip-Hop seit den 70ern berichtet hatte. Wie schon Chuck D einst sagte: Rap war (und ist immer noch) das Sprachrohr für die Black Community. Die selben Themen, die in der Gesellschaft im Zuge der L.A. Riots diskutiert wurden, waren schon seit Jahren Thema in den Texten von Künstlern wie N.W.A., Public Enemy oder Ice-T: Polizeigewalt, Rassismus und Soziale Ungerechtigkeiten werden selten so klar besprochen wie in Rap-Zeilen. Hip-Hop gab und gibt denjenigen eine Stimme, die sie sonst nicht bekommen.

Genau deshalb folgten auf die Geschehnisse in Los Angeles viele Hip-Hop-Veröffentlichungen mit unmittelbarem Bezug auf die L.A. Riots und Rodney King. Rapper reflektierten die Aufstände, Plünderungen und Gewaltausbrüche und wurden so zu einer Art Straßen-Reporter. Ice Cubes drittes Album The Predator enthält bspw. Songs wie We Had To Tear This Muthafucka Up, der die Wutentladungen und Zerstörungen beschrieb. To get some respect, we had tear his muthafucka up, hieß es u.a. auf diesem Song.

Auch Dr. Dres Debütalbum The Chronic wurde im Jahr der Aufstände veröffentlicht und thematisierte die L.A. Riots. Der Song The Day The N**** Took Over beschrieb die Lage während der Proteste und enthält Mitschnitte von Aussagen der Protestierenden und Reportern. Dass die Zustände so eskalierten, sodass sogar ansonsten verfeindete Gangs gemeinsame Sachen machten, kam ebenfalls zur Sprache: Bloods, Crips on the same squad / With the Ese’s helpin‘, n****, it’s time to rob and mob. Der Hip-Hop diente ohne Zweifel als eine der wichtigen Quellen, um die Geschehnisse rund um Rodney King und die L.A. Riots zu dokumentieren.

Es war nicht der erste Fall dieser Art und auch nicht der letzte (der Tod von George Floyd 2020 ist nur ein Beispiel aus letzter Zeit). Es war aber ein Ereignis, das die seit langem im Hip-Hop aufgebrachten Ungerechtigkeiten zumindest für einige Zeit ins Zentrum der Diskussion stellten – und Rap verlieh den Unterdrückten vor, während und nach den Protesten eine Stimme.


Dieser Artikel ist nur ein Kurzabriss zu den Ereignisse rund um 1991 und 1992. Die Informationen und Zitate zu Rodney King und den Aufständen sind – soweit nicht anders angegeben – von HipHopDX, KexP und NBC. Eine weitere Quelle ist die einstündige Dokumentation über die L.A. Riots (erzählt von Snoop Dogg) gewesen. Du findest das (altersbeschränkte) Video hier:


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Autor: Matthi (Mostdope) | © Beitragsbild: Pexels (Vital1na)

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