Sa-Roc: neues Album & exklusives Interview

Sa-Roc – das ist eine Hip-Hop-Künstlerin mit jeder Menge Aussage, Power, Rapskills und vor allem einer Ausstrahlung, von der wir uns bereits selber überzeugen durften. Heute (2. Oktober 2020) hat sie mit „The Sharecropper’s Daughter“ ein Album veröffentlicht, auf das wir uns schon sehr lange gefreut haben – und zwar seit beinahe zwei Jahren. Zu dieser Zeit, am 25. Oktober 2018, um genau zu sein, waren wir in der Hamburger Location Stellwerk bei ihrem Konzert, das im Rahmen ihrer Europe-Tour mit Dynasty & DJ Sol Messiah stattfand.

Dabei ist kurz vor ihrem Auftritt ein extrem interessantes Interview mit Freddy entstanden, das wir bislang nur in der MORNINGSHOW gespielt haben. Das heute erschienene Album hatte sie in dem Interview bereits angekündigt und es trug schon den Namen „The Sharecropper’s Daughter“. Nachdem sich die Veröffentlichung des Albums bis heute verzögert hat, ist das Interview weiterhin aktuell und bietet viele spannende Einblicke in das Leben und Wirken der Conscious-Rapperin.

Sa-Roc Freddy Hamburg Stellwerk 2018-10-25 say say soulful hip-hop radio
Sa-Roc & Freddy (say say) kurz vor dem Konzert (2018)

Zu Beginn des Gesprächs erzählt uns Assata Perkins, so ihr bürgerlicher Name, wo sie ursprünglich herkommt und wie sie zur Musik gekommen ist:

I’m originally from Washington DC. I would say it was a good neighborhood, but it was – and I say that to describe the people – that I grew up with the families I was surrounded by. I mean we grew up poor, in an environment, where we as children saw a lot of things, that we probably shouldn’t have seen. Being around violence and drugs and stuff like that.

But I went to a private school, that taught me a strong sense of culture, expanding my educational and cultural boundaries. My mother had and still has love for reading books, which is one of the reasons, why I have always been a writer and how and why it’s taking me to be a MC.

Erste Berührungen und Annäherungen mit Hip-Hop und Rapmusik macht die junge Assata, als sie durch ihre Schwester zum ersten Mal Gruppen wie Souls of Mischief oder Digable Planets hörte. Doch ihre eigene Liebe zum Rap entflammte endgültig, als sie zum ersten Mal Outkast hörte und von deren Musik so begeistert war, dass sie die Gruppe auch heute noch als eine ihrer größten Einflüsse nennt.

Sa-Roc The Sharecropper's Daughter Promo by Sean Cokes say say soulful hip-hop radio
Sa-Roc (Foto: Sean Cokes)

Sa-Rocs eigene Karriere als Musikerin begann aber nicht in ihrer Geburtsstadt, dafür brauchte es erst einen Umzug nach Atlanta und das Kennenlernen ihres Produzenten und heutigen Lebenspartners DJ Sol Messiah.

He started to support me when I stumbled on this rap journey. I have been doing it since 2008, so I’m going on eleven years now. It happened so organically, it happened so quickly. I never thought that I would be doing anything like this. I literally dropped out of college, because I was on track to be a conservation biologist. Just working like to preserve the environment and endanger the species and seasons. But I just felt that something was missing.

So I left school to figure that out and moved to Atlanta. Then it happened. I met Sol Messiah, who was a friend of the families and he was working with some artists of the time. I wrote poetry, never did like spoken word or anything like that. But while we were in the studio on day I decided to write – I mean, I decided to record something, that I wrote over one of his beats.

Aus diesem einen Spontanversuch entstand zunächst ein ganzer Song, dann noch einer und schließlich stand auf einmal eine ganze EP. In der Underground-Szene Atlantas machte sich Sa-Roc langsam einen Namen, da die Leute an ihrer Kreativität, ihren verkopften und teils akademisch anmutenden Texte sowie ihrem Ausdruck mehr und mehr Gefallen fanden.

2010 erschien ihr erstes Album „Journey Of The Starseed“, es folgten – teils in kurzen Abständen – zehn weitere Alben (!) bis 2015. In so gut wie allen Fällen übernahm DJ Sol Messiah die komplette Produktion, nur zu speziellen Gelegenheiten wurden die Beats von anderen Producern beigesteuert:

Yeah all my albums are [produced by Sol Messiah], unless it’s an album where I’m doing takeovers, like I did on “The Legend Of The Black Moses”. And on this new album coming up I have a couple of producer features on there.

Das neue Album, das sie hier anspricht, ist „The Sharecropper’s Daughter“ und sollte laut diesem Interview bereits im Frühjahr 2019 erscheinen. Wie wir mittlerweile wissen, hat sich dieser Veröffentlichungstermin um noch mehr als ein Jahr nach hinten verschoben und so erscheint das Album endlich am heutigen Tag.

Freddy hat ihr damals übrigens noch nicht entlocken können, welche Featuregäste uns auf dem Album erwarten würden. Sa-Roc hielt sich in diesem Fall äußerst bedeckt:

I don’t know, if I can share that yet. (lacht). But you will really like them. Some really respected people in Hip-Hop. I can’t reveal who is gone be on this album„.

Mittlerweile wissen wir mehr und können bestätigen, dass sie mit ihrer Aussage nicht übertrieben hat: Lyrische Unterstützung kommt von Saul Williams, Styles P, Ledisi, Black Thought und Chronixx, eine Gastproduktion haben Evidence & Al B Smoov beigesteuert.

„The Sharecropper’s Daughter“ ist übrigens das Erste von Sa-Roc, das über das große Independent-Label Rhymesayers Entertainment erscheint, wo sie seit 2016 gesigned ist. Dort veröffentlichte sie 2018 mit „Forever“ die erste Single zum neuen Album.

In den folgenden Jahren blieb sie nicht untätig, im Gegenteil: Auch wenn mittlerweile fünf Jahre seit dem letzten Album vergangen sind, hat Sa-Roc immer wieder Singles released, Touren gespielt, Hip-Hop Workshops geleitet und 2020 in der beliebten Reihe NPR Tiny Desk – Home Edition debütiert.

Zurück zum Interview: Der folgende Teil des Gesprächs drehte sich vor allem um die Essenz ihres Schaffens – ihre Musik und ihre Texte.

Die langjährige Zusammenarbeit mit DJ, Produzent und Partner Sol Messiah kam zur Sprache:

„He will produce a beat and then I try to catch a vibe and figure out what mood it puts me in and start to write to it. But if I hear something else I’m like “Can you add a little 808 drum on here or can you add a violin sound here..”. He is a skilled producer and he knows what his direction is. He has worked with me long enough to know how to pull up my strength as an MC. So we collaborate, but he is the primary producer.

Auf die Frage, wie sie ihre Musik jemandem beschreiben würde, der noch nie einen Song von Sa-Roc gehört hat, antwortete sie:

That is always a really hard question. I would say it’s Alternative Hip-Hop, strongly influenced by the Boom Bap era. It’s like when you produce music you just make music. I don’t produce it with like a description in my mind what I’m doing. I don’t like to box myself into “I do this type of music”, because that could change tomorrow. But overall we do Godhop, which is music that inspires listeners to aspire to their highest self. Mentally, physically and spiritually with subs and lyrics that actually cause you to think, but also have heavy boom bap beats with musical instrumentation and melodic flow.

Das bringt uns auch zum Thema Conscious Rap. Diesem Subgenre wird sie des Öfteren zugeteilt, gleichzeitig erfährt diese Art der Musik oft Stigmatisierungen. Sa-Roc dazu:

I think it’s been insane over the years because people mischaracterize it as it is. They say it’s corny (…) or whatever, but conscious rap is just music that intentionally speaks some social issues that are relevant, that it tries to teach the same time the artist is learning themselves. It’s being stigmatized for sure, but I don’t see anything wrong with it. It’s a beautiful thing to produce music that is socially conscious.

Word! Diese Aussage geht damit einher, dass Sa-Roc in ihren Texten häufig inspirierend und empowernd wirkt und generell viele positive Botschaften für ihre Hörerschaft hat. Freddy hat sie deshalb gefragt, wie sie ihre Lyrics beschreiben würde. Sa-Roc griff das Schlagwort Empowerment auf und erweiterte die Beschreibung noch:

I think we definitely need more music that empowers people to aspire to their best and highest self specifically in a world, that tells us we are not good enough or we are not worthy. Because of all these different things like “Likes” on social media, where you’re from, because of your ethnicities – things that try us to break us down.

Some of the music that I make is like the MC, the bombastic “I’m this…I’m that…I’m so dope” but that is steeped in the culture of Hip-Hop, but even that is intentional to encourage people to be able to venerate themselves in spaces that tell them they are not. So that’s what is all about Empowerment.

Sa-Roc 2 The Sharecropper's Daughter Promo by Sean Cokes say say soulful hip-hop radio
Sa-Roc (Foto: Sean Cokes)

Nun ist mit „The Sharecropper’s Daughter“ ein Album erschienen, dass sie als „more personal, more intimate and reviling“ beschreibt und in dem sie neue musikalische Ansätze wagt: „I’m experimenting with different kind of flows and sounds that I haven’t previously used before.“ Es erscheint in einer Zeit voller Ungewissheiten, voller Auseinandersetzungen und voller Unmut über herrschende Zustände. Da kommen aufrüttelnde, positive und Aufbruch versprechende Texte gerade recht.

„The Sharecropper’s Daughter“ ist nicht zuletzt durch den Titel (ihr Vater war ein Sharecropper; Erläuterung des Begriffs bei Wikipedia) ein ziemlich persönliches Album, das durch ihre Energie, ihre Ausstrahlung und nicht zuletzt durch ihr großes Talent am Mic richtig gut geworden ist.

Viel Spaß beim Hören, natürlich ab heute bei say say, deinem Hip-Hop-Radio!


Übrigens: Die Soundqualität ist zwar nur mittelmäßig, aber wer Interesse an der gesamten Audiospur zum 48-minütigen Interview mit Sa-Roc hat, kann gerne hier reinhören (Vorsicht: Stellenweise etwas laut!):


Autor: Matthi (Mostdope) | Transkription: Julia | Vorarbeiten: Tim | Titelfoto: Kaylinn Gilstrap

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