UK New Hip-Hop, Grime & Soul Musik 2021 - Cover

UK Update: beste Hip-Hop, Grime & Soul Releases 2021 (Q1)

Im Hip-Hop sind im noch jungen Jahr 2021 einige richtig dope Alben erschienen. Während auch Amerika (CHIKA; Nyck Caution; Kota The Friend & Statik Selektah) und Deutschland (Serious Klein) ihre ersten Highlights geliefert haben, hat für mich ein Land ganz besonders Ausrufezeichen gesetzt: Im United Kingdom kommt seit Anfang des Jahres ein cooles Album nach dem nächsten raus.

UK-Hip-Hop und all seine Strömungen laufen nochmal parallel zu dem Geschehen der anderen Szenen ab und machen es auch deshalb so spannend für mich. Besonders den UK-eigenen Musikstil Grime mit seinen Einflüssen aus Electronica und besonders rohem, düsterem Klang feiere ich. Und mal ehrlich: Der britische Akzent, das ganz eigene Vokabular, die Street-Tales aus den dunklen Ecken Londons – what’s not to love?!

Also ziemlich cool, dass in Großbritannien schon jetzt so viel los war. Einige der besten UK-Projekte aus 2021 stell ich dir weiter unten im Blog vor.


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Ghetts – Conflict Of Interest

Ghetts - Conflict Of Interest - Cover
© Cover: Warner Music UK

Ghetts (früher bekannt als Ghetto) ist aus dem Osten Londons und einer der wichtigen Vertreter der Grime-Szene. Seit fast 20 Jahren ist er aktiv und released fleißig Mixtapes und seltener mal Alben. Conflict Of Interest ist erst das dritte Album seiner Karriere, aber mit Abstand das erfolgreichste (Platz 2 in den britischen Charts).

Kein Wunder, denn es ist vermutlich das bisher rundeste Projekt, das er geschaffen hat. Ghetts versammelt zum einen die halbe Grime und UK-Rap Szene auf der Featureliste (u.a. Stormzy, Skepta, Dave), schafft es aber trotzdem zum anderen zu jeder Zeit die persönliche Note beizubehalten und seine eigenen Geschichten zu erzählen.

Trotz der beachtlichen Länge von 1:10h kann ich nur empfehlen, Conflict Of Interest in einem Stück durchzuhören. Das Album ist wie aus einem Guss gemacht und wirkt durch die Übergänge zwischen den Tracks und Ghetts Storytelling-Vermögen fast wie eine kleine Geschichte aus den harten Ecken Londons.


slowthai – TYRON

slowthai - TYRON - Cover
© Cover: Method Records

slowthai hat quasi schon seit Karrierestart 2016 den Ruf als provokanter und streitbarer Künstler weg, nach seiner Entgleisung bei den 2020 NME Awards ist der Rapper aus Northampton aber in GB endgültig angezählt worden. Genug Stoff, um auf seinem zweiten (nach dem eigenen Namen benannten) Album mal in sich zu gehen und zu reflektieren.

Das passiert slowthai-typisch mal aggressiv und laut – und zwar in der gesamten ersten Hälfte von TYRON – dann aber auch ganz leise und verletzlich in der zweiten Hälfte. Was ich hier stilistisch sehr feiere: Während die erste Hälfte noch mit Caps-Lock-Taste auf Anschlag arbeitet, werden ab dem zweiten Teil alle Tracks passend zur Stimmung kleingeschrieben.

Es ist ein super persönliches Album geworden, das die vielen unterschiedlichen Facetten eines jungen Engländers aus dem Prekariat aufzeigt. Dass ein Mensch in der Lage ist, gleichzeitig so wutentbrannte Tracks wie CANCELLED und dann aber kurze Zeit später sowas wie feel away zu schreiben ist einfach faszinierend.


Fredo – Money Can’t Buy Happiness

Fredo - Money Can't Buy Happiness - Cover
© Cover: Since 93

Fredo ist ein Rapper aus West London, der sich mit einem gelungenen Albumdebüt in Third Avenue und einzelnen gut gesetzten, fast schon radiotauglichen Singles wie Funky Friday (ft. Dave) einen Namen in England gemacht hat. Genau mit diesen Singles hat er es im Mai 2020 aber zu weit getrieben, denn für Hickory Dickory Dock biederte er sich nach Ansicht der meisten Fans zu weit dem Mainstream an. Er selber stimmte dem kurze Zeit später in einer Instagram Live-Story zu und wollte wieder zum real Fredo zurück.

Mit seinem zweiten Album Money Can’t Buy Happiness hat er das Versprechen der Rückkehr zu den Rapwurzeln wahrgemacht. Die Delivery, die (endlich wieder) unterschiedlichen Flows, die dunkle Atmosphäre – das ist alles Back to Basics. Der vorhin angesprochene Dave hat große Teil der Produktion übernommen und ist dazu als Featuregast auf Money Talks vertreten. Dieser Einfluss ist rauszuhören, denn das neue Album ist düster und vor allem richtig schön zusammenhängend geworden.


Arlo Parks – Collapsed In Sunbeams

Arlo Parks - Collapsed in Sunbeams - Cover
© Cover: Arlo Parks under Transgressive Records

Mit ihr hat die UK-Szene eine weitere internationale Vorzeigekünstlerin dazubekommen: Arlo Parks. Die Londoner Sängerin mit Wurzeln aus Nigeria, dem Chad und Frankreich ist erst seit 2018/2019 auf der Bildfläche, aber arbeitet sich gerade in ganz großen Schritten hoch. Ihre Musik ist irgendwo zwischen R&B, Soul und verträumtem Pop einzuordnen, nicht selten kommen Vergleiche zu den Anfängen von Frank Ocean auf. Dass sie Erykah Badu als eine ihrer Idole bezeichnet ist auch immer wieder rauszuhören.

Jetzt ist 2021 ihr Debüt auf Albumlänge rausgekommen und hat mich sofort gecatched! Kluge Lyrics mit ihrer tollen Stimme auf soulful Instrumentals geben einfach diesen ganz bestimmten Vibe ab. Tracks wie Hope, Caroline oder For Violet sind zum Dahinschmelzen. Erst 20 Jahre jung, aber schon so ein Album in der Diskographie – da wird in Zukunft noch einiges passieren!

In Verbindung mit Rap ist sie übrigens auch schon häufiger getreten. Bei dem großartigen 12 Questions von Future Utopia hat sie auf zwei Songs mitgewirkt und erst vor kurzem ist sie ebenfalls auf UNLOCKED 1.5 von Denzel Curry & Kenny Beats zu finden gewesen.


Chip – Snakes & Ladders

Chip - Snakes & Ladders - Cover
© Cover: Cash Motto

Chip ist ein weiterer Grime-Künstler aus London, der schon seit Jahren im Geschäft ist und mit so gut wie allen Szenegrößen (Wiley, Skepta, Stormzy, Ghetts) zusammengearbeitet hat. Genauso wie er seine Kollabos pflegt, pflegt er immer wieder auch kleine und große Beefs mit anderen Künstlern anzuzetteln. Das ist auch auf dem neuen Album Snakes & Ladders nicht anders, auf dem vor allem Stormzy was zu hören bekommt. Ganz ohne Stress kann der gute Mann wohl nicht arbeiten.

Musikalisch ist bei weitem nicht nur Grime präsent auf dem neuen Chip-Projekt. Ein Haufen an unterschiedlichen Features sorgt für sehr unterschiedliche Styles. Da sind natürlich die klassischen grimey Songs (Ignite), da sind aber auch die sommertauglichen Tracks (Give Tanks) und da sind sogar Experimente in Richtung Afrotrap (See Through).

Macht auf jeden Fall wegen seiner Vielseitigkeit Spaß zu hören, hat aber auch einige Aussetzer, die ich meistens skippe.


Teks Sinatra – Home For Winter

Teks Sinatra - Home For Winter - Cover
© Cover: Teks Sinatra under GRM Records

Teks Sinatra ist ein junger Rapper aus dem Süden Londons, um den es seit einem kurzen Hype im Jahr 2017 verhältnismäßig ruhig geworden ist. Jetzt scheint er aber wieder ins Rollen zu kommen, denn sein Mixtape Home for Winter ist Anfang des Jahres erschienen. Wie der Titel schon verrät, erzählt das Tape von einer bestimmten Phase im Leben, in der er in einem Winter ins alte Zuhause zurückgekehrt ist. Dort hat er innegehalten und sich und seine bisherigen Stationen im Leben reflektiert.

Das Resultat davon ist auf Home for Winter zu hören, wo er auf acht Tracks die bisherigen Entscheidungen Revue passieren lässt und die Musik für tiefe Einblicke in seine Seele nutzt. Deshalb ist das Projekt deutlich ruhiger und weniger aggressiv als andere hier aufgeführte Alben und bietet stattdessen Fokus auf die Zeilen und Worte. Dort liegen nämlich definitiv seine Talente – Pengame is strong.


To be continued

Und die Serie an dopen UK-Releases wird wahrscheinlich nicht so schnell abreißen. Nächste Woche Freitag, am 16. April 2021, kommt das neue Album Flu Game von AJ Tracey. FKA Twigs hat anscheinend im Lockdown ein ganzes Album geschrieben, das hoffentlich bald nähere Infos bekommt. Von Dave sind immer mal wieder Videos aus dem Studio zu sehen, da ist also auch was geplant. Und über neue Solomusik von Stormzy, ENNY oder Little Simz in diesem Jahr würde sich auch niemand beschweren. Da kommt hoffentlich noch einiges auf uns zu!


UK-Musik auf say say

Stormzy, Jorja Smith, Dizzee Rascal, ENNY, Skepta – die UK-Szene hat viele großartige Künstlerinnen und Künstler, die wir hier bei say say feiern. Deshalb hörst du natürlich regelmäßig Hip-Hop aus Großbritannien auf say say • soulful hip-hop radio.


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Autor: Matthi (Mostdope)

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